Frankfurter Bläser-Serenade
K O N Z E R T

D E R

F R A N K F U R T E R - B L Ä S E R - S E R E N A D E

am

Mittwoch, den 11.April um 20 Uhr in
Musikschule zu Bad Nauheim

Es spielen Mitglieder der Frankfurter Bläser-Serenade:
Lenka Geiger und Sieglinde Holzapfel Oboen
Jochen Tschabrun und Ulrich Büsing  Klarinetten
Antje Ott und Peter Steidle  Hörner
Dieter Reichert und Ulrike Fröhling
Edith Salmen  Schlagzeug
und Timm J. Trappe  Kontrabaß

Christoph Werkhausen  Osmin

P R O G R A M M :

Wolfgang Amadeus Mozart
1756 -1791

“Die Entführung aus dem Serail“

Ein Deutsches Singspiel
KV 384

Libretto von Friedrich Bretzner (1748-1807) und Johann Gottlieb Stephanie d.J. (1741-1800)

Beginn: Wien. den 30.Juli 1781
Vollendet: Wien, Ende Mai 1782
Uraufführung: Wien, den 16.Juli 1782

Bläserbearbeitung
von
Peter Steidle

mit Zwischentexten von
Paul Bartholomaï.

„ … Nun habe ich keine geringe arbeit. - bis Sonntag acht tag muß meine Opera auf die harmonie gesezt seyn - sonst kommt mir einer bevor - und hat anstatt meiner den Profit davon […] sie glauben nicht wie schwer es ist so was auf die harmonie zu setzen - daß es den blaßinstrumenten eigen ist, und doch dabey nichts von der Wirkung verloren geht … “

Dieses Zitat aus einem Brief Mozarts vom 20. Juli 1782 an seinen Vater drückt eigentlich schon alles aus, was zu dem Thema Transkriptionen für Bläser anzumerken wäre, nämlich welche ungeheure Bedeutung die Harmoniemusiken damals hatten, welcher Beliebtheit diese sich in jener Zeit erfreuten und eben, das sich selbst ein Mozart nicht zu schade gewesen wäre, seine eigene Komposition „…auf die harmonie…“ zu setzen.
Inwieweit sich aber Mozart nun mit dieser Arbeit wirklich befaßt hat, ist bislang noch eine offene Frage. Eine von Mozarts Hand geschriebene „Harmoniemusik“ zur Entführung ist bis heute nicht aufgetaucht. Es sind allerdings bisher mehrere Bläser-Bearbeitungen der Entführung bekannt. Eines dieser Arrangements ist wahrscheinlich von Johann Went (1745 - 1801) erstellt worden. Eine weitere sehr hübsche Fassung mit 2 Englischhörnern, statt der Klarinetten, stammt nach einhelliger Meinung aller Kenner aber nicht aus Mozarts Feder. Auch bei der dritten, der sogenannten „Donaueschinger Fassung“, ist der Arrangeur unbekannt. Diese Version ist sehr umfangreich und von teilweise hoher Qualität. Ob es sich nun hierbei um jene legendäre Mozartversion handelt, wie der holländische Musikwissenschaftler Dr. Bastiaan Blomhert vermutet und durch umfangreiche Forschungen zu beweisen sucht ist aus meiner Sicht doch eher zweifelhaft. Es wird angenommen, daß diese Fassung dem Donaueschinger Kopisten Franz Joseph Rosinack (1750-1823) zuzuschreiben ist. Leider hält sich diese Bearbeitung selten an Mozarts Originaltonarten; auch tauchen in dieser Instrumentierung trotz der oben erwähnten hohen Qualität manche Merkwürdigkeiten und Ungeschicklichkeiten auf, so daß ich mich entschlossen habe die „Entführung“ völlig neu, aber nach klassischer Art und unter Einbeziehung des Janitscharen-Kolorits nach dem Urtext für das Bläser-Ensemble zu setzen.
Der Text, der durch die Handlung führen soll - damit die Gesamtkonzeption der Oper erhalten bleibt - , wurde auf Wunsch der „Frankfurter Bläser-Serenade“ von dem Frankfurter Musikredakteur Paul Bartholomaï erstellt. Zu Wort kommt jene Opernfigur, die sich am meisten zu beklagen hat, weil nichts nach ihrem Sinne läuft. Es ist der Osmin, dem das kultivierte Gehabe seines Herrn Bassa Selim einfach nicht paßt, der nun mal die „… hergelauf‘ne Laffen…“ nicht ausstehen kann.

Peter Steidle 1998

Inhalt:

Konstanze, deren englische Kammerzofe Blondchen und Pedrillo sind von Seeräubern entführt und als Sklaven an das Landhaus, dem Serail, des Sultans Bassa Selim verkauft worden. Pedrillo hatte dabei das Glück, Aufseher über die Gärten des Bassa werden zu können. Er nutzt die Gelegenheit der relativen Freiheit um seinem eigentlichen Herren, dem spanischen Edelmann Belmonte, heimlich das Geschehene zu berichten.

Die Oper beginnt in dem Augenblick, da Belmonte zur Rettung herbeigeeilt ist. Die Dinge liegen doppelt kompliziert, denn Bassa Selim hat seine Liebe zur schönen Konstanze entdeckt, und dem Obereunuchen Osmin, einem Ungeheuer von humoristischer Tücke, wurde das Blondchen zugesprochen. Die Situation erscheint um so aussichtsloser, als Osmin den Belmonte mit bösem Mißtrauen empfängt. Trotzdem, Belmonte sieht seinen treuen Diener wieder und erfährt nun alle Einzelheiten über Konstanzes Treue und Beharrlichkeit und Pedrillos Rettungsplan. Belmonte soll bei dem abendländische Architektur liebenden Bassa als berühmter Baumeister eingeführt werden - alles übrige würde sich schon finden.

Im zweiten Akt lernen wir Blondchen, jene freiheitsstolze Engländerin, die ja eigentlich mit Pedrillo verlobt ist, in ihrer anmutigen Schalkhaftigkeit kennen, wie sie mit List und Tücke sich des Osmin zu erwehren weiß. Im Gegensatz dazu erleben wir die komischen Wutausbrüche Osmins, z.B. die tolle Szene, in der ihn Pedrillo unter Alkohol setzt, um die „Entführung aus dem Serail“ zu ermöglichen.. Die Handlung kommt so richtig in Fluß, als der Fluchtplan der vier sich liebenden Fremden durch Osmins Wachsamkeit mißlingt. Ihnen allen droht der Tod, um so mehr, als Bassa Selim in Belmonte den Sohn seines ärgsten Widersachers erkennt.

Doch dann siegt die orientalische Großmut, und das Stück führt mit Jubel zum glücklichen Ende.

Ouvertüre
No. 1 Hier soll ich dich denn sehen
No. 3 Solche hergelaufene Laffen
No. 4 …wie ängstlich…
No.5Janitscharen-Marsch
No. 6 Doch wie schnell schwand meine Freude
No. 8 Durch Zärtlichkeit und schmeicheln
No. 9 Ich gehe, doch rate ich Dir
No. 11 Martern aller Arten

--- Pause ---
No. 12 Welche Wonne, welche Lust
No. 13 Frisch zum Kampfe
No. 14 Vivat Bacchus! Bacchus lebe
No. 15 Wenn der Freude Tränen fließen
No. 16 Ach Belmonte!
No. 17 Ich baue ganz auf deine Stärke
No. 19 O, wie will ich triumphieren
No. 20 Welch ein Geschick! o Qual der Seele
No. 21 Vaudeville - Nie werd‘ ich deine Huld verkennen.

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