Peters Hörner


Peter hat sich von jeher sehr stark für den Blechblasinstrumentenbau interessiert. Sein erstes Horn war ein völlig marodes, verbeultes F-Horn. Es ist auf Peters Jugendfoto zu sehen. Später bekam er ein altes, gebrauchtes Kruspe Doppelhorn, Modell Wendler, geschenkt. 1958 kaufte er auf Forderung seines Lehrers Gustav Neudecker (ja, schon damals gab es diesen Trend) sein erstes Modell 103 der Firma Alexander. Ganz nebenbei: Als Peter dieses Horn bei Alexander abholte, traf er dort in den Verkaufsräumen ein Ehepaar, das sich etwas widerwillig mit einem B-hoch-F Horn (Ur-Modell 107) abmühte. Es war das Ehepaar Alan Civil und Shirley Hopkins-Civil, die dann später Karajans Einladung an Dennis Brain zur Aufnahme des 1.Brandenburgischen Konzerts von J.S.Bach nach Brain’s tragischem Tod quasi geerbt hatten. Peter hat zwischenzeitlich auch Hörner von Yamaha, Holton und Engelbert Schmid gespielt. Peter besitzt auch ein Wiener Horn von Anton Dehmals Nachfolger.

Mit Gebr. Alexander entwickelt:

  • 1964 Ein 5-ventiliges B-Horn mit einem H-Ventil.

  • 1968 Ein Modell 106 mit einigen Extras.

  • 1969 ein Modell 107 mit der Möglichkeit, es auf C-hoch F oder B-hoch Es umzustellen, wobei das 3. Ventil dann ein ansteigendes Ganztonventil war.

  • 1973 5ventiliges B-Horn mit 4 Perinetventilen.

  • Peter saß als 3. Hornist im RSO Frankfurt hinter dem Solohornisten Gustav Neudecker, der auch sein Lehrer war. Das Leben im RSO war für ihn und den anderen Hornisten nicht immer angenehm. Neudecker war ein sehr guter Hornist, aber leider ein schwieriger Mensch. Das Hauptproblem war allerdings, dass Neudecker ein 5-ventiliges hoch-Es-Horn mit 3 Perinet- Ventilen spielte. Die von ihm geforderte Anpassung fiel mir und den anderen Hornisten sehr schwer. In Konsequenz dieser Tatsache ließ Peter sich in jener Zeit von Gebr. Alexander ein 5ventiliges B-Horn bauen mit 3 Perinetventilen. Das Daumenventil ist ein (ansteigendes) C-Ventil; das mit dem kleinen Finger zu bedienende Ventil ist ein Quartventil (F-Naturtöne). In Kombination mit dem C-Ventil konnten die fehlenden Töne sehr gut realisiert werden. Der Winkel Mundrohr zum Schall ist nach französischer Manier sehr eng. Ich bevorzuge das, weil man damit das Horn wesentlich freier halten kann (siehe Dennis Brain). Das Horn stimmt sehr gut und klingt wunderbar. Der Klangvokal ist auf normalen Drehventilinstrumenten mehr "eh". Bei den Perinetventil-Instrumenten eher "ah" oder gar "oh". Weite Bindungen sind etwas schwieriger, aber Tonleitern gebunden gelingen leicht und sehr sauber. Peter hat es erfolgreich im Orchester gespielt und in unzähligen Schubert Oktetten.

  • 1977 Ein ungewöhnliches Horn hat Peter sich von der Firma Alexander anfertigen lassen. Der Spitzname ist: Confusing Horn

    Die Grundidee war folgende: Seit der Erfindung der Ventilhörner haben wir ein neues Problem bekommen. Das Zu- oder Wegschalten von Rohrteilen ist, besonders wenn es sich um sehr große Längenveränderungen handelt, ein Anpassungsproblem. Es kann blas-und klangtechnisch Unsicherheiten verursachen und somit eine Quelle von Schwierigkeiten sein. Nehmen wir mal den Extremfall eines Triplehornes: Die Rohrlänge eines hohen F-Horns (ohne die Ventile zu betätigen), beträgt 192cm. Die Rohrlänge eines tiefen F-Horns mit allen gedrückten Ventilen beträgt 533cm. Natürlich benutzt kein Hornist diese extremen Längenunterschiede. Er spielt mehr oder weniger nur die B-Hornseite und nur einige Töne auf der hoch-F- bzw. tief F-Hornseite. Die Idee Peters Hornes war es nun, in den mittleren und hohen Oktaven die Zuschalt-Rohrlängen auf das Äußerste zu minimieren. Dazu muss man alle Naturtöne benutzen, was aber ausser bei den Oktaven (1,2,4,8,16 usw.) und den Quinten (3,6,9,12,18 usw.) wegen naturbedingter Abweichung von unserer temperierten (Gott sei's geklagt!) Stimmung eigentlich nicht geht. Das Daumenventil ist daher als ein syntonisches Komma-Ventil ausgelegt. Es erhöht das Horn um etwa 1/5 Halbton, so dass man alle Terztöne (5,10,15,20 usw.) problemlos stimmend spielen kann. Das 3. Ventil ist ein ⅓ . Es macht die Töne (7,14,21 usw. ausser auf der 0- Position) einsetzbar. In der obersten Oktave ist nun die längste Zuschaltung das erste Ventil (36 cm). Das geht auch auf der mittleren Oktave - bis auf das cis/des¹. Dafür ist ein 4. Ventil auf eine Großterz (normalerweise Griff 2/3) eingestellt und diese Länge vollkompensiert. Das 3. Ventil (Dritteltonventil) ist dann in Verbindung mit dem 4.Ventil abermals auf eine Großterz kompensiert. Jetzt kann man (allerdings mit einer völlig anderen Grifftabelle) den gesamten Tonumfang in bester Intonation und mit minimierten zugeschalteten Rohrlängen spielen. Das Horn klingt und stimmt gut. Es geht los "wie eine Rakete" (so Peter Damm 1977 bei dem IHS Hornsymposium in Hardford) Alan Civil fand es ebenfalls toll und meinte bei dem gleichen Hornsymposium "…wenn ich noch jung wäre, dann würde ich es sofort lernen…"! Nun gut, das Horn ist wirklich toll, aber… ? Peter sagt „… Aber ich habe wahnsinnig viel dabei gelernt…“. Das Horn war übrigens im Bau so kompliziert, dass der bedeutende Hornbauer Heinrich Wedel bei der Firma Alexander Peter verzweifelt ansah und erklärte, er wisse nicht mehr, was er da gebaut habe.

  • 1982 Doppelhorn hat Peter zum 200. Jubiläum der Firma Alexander das Modell 200 oder auch Jubiläumshorn entwickelt.

    Es hatte ein dickeres Material am Schall mit einem Neusilberkranz. Der „Schmetterpunkt“ war deutlich später, was sich in der spätromantischen Sinfonik als günstig erwies. Viele Soli sind z.B. bei Gustav Mahler im mezzoforte oder piano angezeigt. Man kann diese Stellen laut spielen und dennoch eine Pianoklangfarbe ermöglichen.

  • 1986 ein 4-ventiliges hoch-F-Horn.

    Das Daumenventil ist ein kurzer Ganzton für das normalerweise zu tiefe d2 (ähnlich wie bei den B-Hörnern der Weimarer Schule g1 mit dem Daumen oder das große B - Heldenleben-Anfang D/1/2/3). Die übrigen Ventile sind normal. Mit dem kleinen "Kringelchen" kann das Horn nach E gestimmt werden. (z.B. für Spohr Oktett). Züge ein wenig ausziehen. Das Daumenventil kann man aber auch umschalten, so das es bei Betätigung verkürzt. Nun habe ich ein hoch Es-Horn. Das Daumenventil ist nun ein Ansteiger. Die Züge müssen entsprechend ausgezogen werden. Das 2. und 3. Ventil sind nun zu kurz, daher die Austauschzüge. Nehme ich jetzt das "Kringelchen" dazu und ziehe die Ventile abermals etwas aus, dann habe ich ein hoch-D-Horn. Die Griffe sind bei allen 4 Hornstimmungen immer die gleichen. Das Horn stimmt wegen seiner trickreichen (gegen alle Instrumentenbauer Meinungen) Mundröhre in allen Bereichen perfekt! Mit dem Messgerät der Braunschweigischen technischen Versuchsanstalt ist dieses bei Alexander durchgemessen und belegt worden. Es hat einen warmen, weichen Hornklang, schmettert allerdings nicht. Nur als Beispiel: Mendelssohn’s Notturno aus dem Sommernachtstraum spielt sich kinderleicht und klingt wunderbar. Man hört nicht, dass es ein hohes Horn ist, zumindest wenn man nicht forte spielen muss. Peter hat allerdings meist Barockmusik darauf gespielt, z. B. die h-moll-Messe auf dem D-Horn usw. Ein wahres Zauberhorn, auf das Peter besonders stolz ist.

  • 1986 hat Peter ein „Universalhorn“ bei Alexander bauen lassen.

    Die Idee war, ein Horn für jede erdenkliche Aufgabe zu haben. In der Normalversion ist es ein gewöhnliches Doppelhorn plus einem 4ten.Finger-Ventil, das auf beiden Hornsektionen als Ganzton-Ansteiger-Ventil wirkt, wie es früher bei den Französischen Hörnern am 3.Ventil üblich war (G - C Horn). Das Horn ist allerdings so konzipiert, dass es durch Verändern /Ersetzen von Zügen oder Umdrehen von Ventildrehungen in jeder anderen Kombination umgebaut werden kann. Das Weber’sche Concertino ist ja wirklich nicht für ein Doppelhorn in F-B gedacht. Natürlich ist es auf einem normalen Doppelhorn spielbar, aber was muss man sich für überflüssige Mühe machen, um dieses zu erarbeiten. Man kann zum Beispiel in diesem Fall das Horn nach Fis-H umstecken: Jetzt kann der Hornist z.B. Weber's Concertino fast vom Blatt spielen (quasi in Es). Auch ist es möglich, das Horn nach A-D umzurüsten für Haydn usw. Wenige können sich vorstellen, wie günstig ein G-C Horn für extrem schwierige F-Hornstücke sein kann. (Cartellieri-Oktette) Nicht genug damit! Das Horn hat eine zweite kurze Mundröhre für die Hornkombinationen: C-hochF; H-hochF; B-hochF; A-hochF. Aber es geht z.B. auch H-hochE; B-hochEs oder A-hochD Mit anderen Worten : Jede denkbare Kombination. Im Orchester spielt man die anfangs erwähnte Grundeinstellung. Dieses Horn hat Alexander einige Male gebaut. Es haben sich nur wenige Hornisten dafür interessiert, denn es überfordert die meisten. In Tokyo liegt ein Exemplar im Museum.

  • 1990 Ein Doppelhorn B - hoch Es.

    Der 4. Finger ist auf der B-Seite ein Stopfventil - auf der hoch Es-Seite jedoch ein um einen Ganzton ansteigendes Ventil - also hoch F.
    Es ist ein vollausgebautes Horn. Die Anordnung der Ventile, die um das Umschaltventil drappiert sind, minimiert die Rückführröhren auf das Äusserste.
    Der Klang ist voll und rund - Intonation perfekt.

  • 1999 . Das Modell 403S

    ist das letzte Horn, welches Peter mit der Firma Alexander entwickelt hat. Der Luftstrom kommt bei beiden Sektionen von der gleichen Seite. Die 3 Spielventile drehen sich gegen den Luftstrom - das hilft „Zisch/Switschgeräusche“ zu vermeiden, was das Legato sehr begnstigt. Ein traumhaft schönes Horn!

    Seit 2006 arbeitet Peter mit Christopher Cornford

  • 2006/7 entstand das sensationelle Tripel-Horn-Modell 3S.

    Nicht nur Skeptiker sollten es ausprobieren!
    Das Prinzip ist eine Doppelkompensation. Peters entscheidende Erfindung war beim Modell 3S der Einsatz von 2! Querwalzen. Es wiegt für ein Triple sehr wenig, nur ca. 2300Gramm und ist somit leichter als ein gängiges Doppelhorn. Entgegen allen "Kompensationskritikern" hat das Horn eine wunderbare, leichte Ansprache, auch auf den tiefen Segmenten. Es stimmt und klingt hervorragend. Es ist für den Allroundeinsatz vorzüglich geeignet. Die Mundröhre ist für die tiefen Hörner sehr lang (durch die erste Umschaltwalze ohne negative Folgen für das hoch-F-Horn durchgeschleift). Die Erfindung der „Querwalzen“ geht auf den Hamburger Carl Lehmann zurück, der für diese Idee 1925 ein Patent erhielt. Das Lehmann’sche Horn krankte etwas an der nicht exakten Bemessung der Kompensationsröhren sowie an den sehr empfindlichen Walzen. Knopf, Hüttl und Lidl haben dieses Modell mit einigem Erfolg nachgebaut.

  • 2009 Cornford’s Modell L25 hat das Grund-Modell optimiert.

    Der Buchstabe L steht für Lehmann.
    Die Kompensationslängen stimmen genau und die robusten Titanwalzen verrichten problemlos ihre Arbeit. Das Horn wiegt nur ca. 2000 Gramm und gehört somit zu den leichtesten Doppelhörnern überhaupt.

  • 2013 Auch eine Doppel-Wagnertube

    wurde nach dem gleichen Prinzip bei Cornford gebaut und mit einem geraden Schallstück versehen worden, damit man seinem Nachbarn nicht die Ohren volltönt.